Initiative “Stolpersteine in Karben”
Ausstellung 2008: Der Pogrom in Karben >Zeittafel 1938-45
Anlage 1   zur Seite: “Ausstellung 2008: Der Pogrom in Karben
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Zeittafel                                                    (Bezug auf Karben: Fettdruck, rot) Quellen: Monica Kingreen: „Jüdisches Landleben“, Cocon Verlag,  (Zeittafel zur Geschichte der Judenverfolgung), Helmut Weigand: „Groß-Karben und seine Juden“, sowie Recherchen der Initiative „stolpersteine-in-karben.de“.
1933 Im März Bereits wenige Wochen nach der „Machtübernahme „ werden Juden verhaftet und einige  in die so genannten „wilden“ Konzentrationslager eingeliefert.>Salli Braun (Groß Karben, Burg-Gräfenröder Str. 20) wird in das KZ Osthofen gebracht. Salli Braun war Ende der 1920er Jahre SPD-Gemeinderatsmitglied… 01. April Von den Nationalsozialisten organisierter Boykott jüdischer Geschäfte, Arzt- und Anwaltspraxen.Auch in Groß-Karben wird massiv Druck ausgeübt: „Was, du kauft noch bei Juden“… 1934 05. Febr. Juden dürfen nur noch in Ausnahmefällen promovieren. 22. März >Salli Braun (Burg-Gräfenröder Str. 20) und Julius Ross (Bahnhofstr. 20) wegen „Freundschaften zu Nichtjuden“ für vier Wochen in das KZ Osthofen gebracht… 24. März >Familie Kulb, Bahnhofstraße 47, flieht nach Uruguay. 14. Nov. Alle Beamten jüdischer Herkunft werden entlassen. 1935 Anfang 1935 Überall in Deutschland werden judenfeindliche Schilder angebracht. Mitte 1935 >Eine junge Frau wird in Groß-Karben mit einem Schild, auf dem  „Judenliebchen“ stand,  durch den Ort geführt, weil sie weiterhin Freundschaft zu Juden unterhalten hat. 25. Mai Juden gelten als „wehrunwürdig“ und werden nicht mehr zum Wehrdienst einberufen. 05. Sept. Nürnberger Gesetze: Entzug der staatsbürgerlichen Rechte für Juden, Verbot der Eheschließung und Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Personen deutschen oder „artverwandten Blutes“. 1936 05. März >Adolf Strauss, Heldenbergerstr. 8, flieht mit Ehefrau Ida und den beiden Kindern Liselotte und Walter in die USA. Im April Die aufgestellten judenfeindlichen Schilder werden während der Olympiade vorübergehend entfernt. 14. Okt. >Ehepaar Salli und Hilda Braun, Burg-Gräfenröder Str. 20, flieht mit Sohn Edgar in die USA. 14. Okt. >Mit Familie Braun flieht auch Julius Strauss, Ludwigstr. 14, mit Frau Rosa und den beiden Kindern Milton und Ilse in die USA. 1937 15. April Jüdische Studenten dürfen nicht mehr promovieren. Weitere Berufsverbote werden erlassen. 1938 26. April Juden müssen ihr Vermögen anmelden. Mit dieser Verordnung wird die so genannte Arisierung der deutschen Wirtschaft (d.h. Ausplünderung der Juden) vorbereitet. Im Juli Berufsverbot für Ärzte. Straßen, die Namen von Juden tragen, werden umbenannt. 08. Aug. >Familie Strauss, Bahnhofstr. 9, flieht nach Frankfurt und dann weiter in die USA. 05. Okt. Einziehung der Reisepässe und Neuausstellung  mit einem eingestempelten roten J 9. - 11. Nov. Von den Nationalsozialisten organisierter Pogrom 28. Nov. >Max Kulb, Heldenberger Str. 14, flieht mit Ehefrau Paula zur Familie seines Bruders in Uruguay. 08. Dez. >Die Witwe Rosa Grünebaum, Bahnhofstr. 20, flieht mit ihrer Tochter Beate nach Würzburg. Beide werden jedoch im November 1941 von dort in das Ghetto Riga deportiert und ermordet. 12. Nov. Die deutschen Juden müssen als „Sühneleistung“ 1 000 000 000 Reichsmark zahlen und sind verpflichtet, die von den Nationalsozialisten angerichteten Schäden zu ersetzen (!). Weitere Berufsverbote für Akademiker, Angestellte und Handwerker werden entlassen. Juden wird der Besuch von Theatern, Kinos, Konzerten und auch Badeanstalten verboten. 25. Nov. Jüdische Kinder dürfen keine öffentlichen Schulen mehr besuchen. >Die Schulkinder aus Groß-Karben und Burg-Gräfenrode müssen  nunmehr nach Bad Nauheim in die jüdische Bezirksschule fahren. 03. Dez. Führerscheine jüdischer Bürger wurden eingezogen. Im Dez. >Moritz Ross, Wilhelmstr. 3, der im 1. Weltkrieg einen Oberschenkel verloren hat und mit dem „EK 1“ (Eisernes Kreuz 1. Klasse) ausgezeichnet wurde, flieht mit seiner Frau Klara nach Frankfurt. Beide werden jedoch 1942 erst nach Theresienstadt und dann nach Auschwitz verschleppt und ermordet. 06. Dez. >Lilli Grünebaum, Bahnhofstr. 4, flieht mit ihrer Mutter nach Hamburg Altona, wird jedoch von dort 1941 in das Ghetto Lodz deportiert und dort ermordet. 14. Dez. >Max Strauss, Wilhelmstr. 7, flieht mit Ehefrau Recha zu den Söhnen Manfred und Berthold nach Südafrika, die bereits vor einige Monaten nach dort geflohen waren. 1939 Anfang 1939 >Selma Goldstein, Burg-Gräfenröder Str. 1, flieht in die USA. Anfang 1939 >Lehrer und Rabbiner Isaak Markus, Heldenberger Str.10, flieht mit Ehefrau Regina und den beiden Kindern in die USA. 01. Jan. Juden müssen zusätzliche Zwangsvornamen (Sarah bzw. Israel) tragen (Verordnung vom 5.Okt.38). 05. Jan. 98 Kinder können auf Initiative des Leiters des jüdischen Waisenhauses in Frankfurt  in die Schweiz ausreisen.>Mit dem Kindertransport fliehen auch Ruth Junker (Heldenberger Str.1) und Albert Ross (Bahnhofstr.24) und überleben damit den Holocaust… 30. Jan. Hitler kündigt im Reichstag die „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ an, falls ein neuer Weltkrieg ausbrechen sollte. 21. Feb. Juden müssen alle Gegenstände aus Gold und Silber, Platin sowie Edelsteine und Perlen abgeben. 07. März >Die Schwestern Sophie, Emilie und Lina Grünebaum, Parkstraße 1, fliehen in das jüdische Altenheim in Bad Nauheim, werden jedoch 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und sterben dort nach wenigen Wochen. Im April >Klärchen Kirschberg aus der Freihofstraße 1 in Burg-Gräfenrode flieht mit einem Kindertransport nach England.>Ehepaar Ross, Bahnhofstr. 20, flieht mit Tochter Inge nach Frankfurt. Alle drei werden jedoch 1941 nach Kaunas verschleppt und sofort nach der Ankunft ermordet (Sohn Albert wurde Anfang 1939 mit einem Kindertransport in die Schweiz gerettet). 30. April Totale Aufhebung des Mieterschutzes: Juden, denen die Wohnung gekündigt wurde, werden in „Judenhäusern“ untergebracht. 22. Aug. >Josef (Seppel) Junker, Heldenberger Str. 1, flieht mit Ehefrau Bella und Tochter Margot sowie Schwiegervater Joel (Julius) Simon nach Frankfurt, wo der Schwiegervater verstirbt (Ruth Junker war Anfang 1939 in die Schweiz geflohen). Josef, Bella und Margot Junker werden 1941 in das Ghetto Minsk deportiert und ermordet. 01. Sept. Deutschland überfällt Polen. Für Juden wird eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. 23. Sept. Juden müssen (am höchsten jüdischen Feiertag: Jom Kippur!) ihre Rundfunkgeräte abliefern. 1940 06. Feb. Juden erhalten keine Kleiderkarten mehr. 12./13. Feb. Beginn der Massendeportationen von deutschen Juden (z.B. Stettin) 04. Juli Juden dürfen nur noch von 16 bis 17 Uhr Lebensmittel einkaufen. 01.Okt.  >Hugo Junker, Bahnhofstr. 34, flieht mit Ehefrau Rosel und Schwiegermutter nach Frankfurt. Von dort wird 1941 das Ehepaar Junker in das Ghetto Lodz verschleppt und ermordet, >die Schwiegermutter, Betty Grünebaum, stirbt drei Wochen nach ihrer Deportation (1942) im Ghetto Theresienstadt. 1941 07. März Für Juden wird die Verpflichtung zur Zwangsarbeit eingeführt 31. Juli Seit dem Überfall auf die Sowjetunion führen SS-Einsatztruppen in den besetzten sowjetischen Gebieten Massenmorde durch. 01. Sept. Alle Juden, die das sechste Lebensjahr vollendet haben, müssen den gelben Stern tragen. 15. Sept. Juden dürfen öffentliche Verkehrsmittel nur noch auf dem Wege zur Arbeit benutzen. 08. Okt. Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wird errichtet. 18. Okt. Beginn der Massendeportationen in die Ghettos und Vernichtungslager im Osten. 25. Okt. Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft und Einziehung des Vermögens von Juden, die deportiert werden. 08. Dez. Errichtung des Vernichtungslagers Chelmno (Gas-Tod im LKW).  1942 10. Jan. Juden müssen Pelz- und Wollsachen abgeben. 20. Jan „Wannseekonferenz“: Detaillierte Planung über die Deportation und „Ausrottung“ des europäischen Judentums. Im Januar In Auschwitz-Birkenau beginnt die Massenvernichtung mit dem Gas „Zyklon B“. 17. Febr. Juden dürfen keine Zeitungen und Zeitschriften mehr  kaufen. 17. März Errichtung des Vernichtungslager Belzec. 26. März Wohnungen von Juden müssen mit dem gelben Stern gekennzeichnet werden. 24. April Die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel wird Juden generell verboten. 03. Mai Errichtung des Vernichtungslagers Sobibor. 15. Mai Alle Juden müssen ihre Haustiere bei der Gestapo abliefern. 20. Juni Verbot jeglichen Unterrichts von jüdischen Kindern 15. Sept In Groß-Karben werden die Familien Rosenthal und Hirsch, sowie Isidor Kahn und Franziska Strauss und in Rendel Lea Weinberg aus ihren Wohnungen geholt. Sie werden in die Augustiner-Schule in Friedberg gebracht, einige Tage später in das Sammellager Darmstadt. 27. Sept. Kärber Juden, die in das Sammellager Darmstadt gebracht wurden, werden in das Ghetto Theresienstadt verschleppt:>Adolf und Antonie Hirsch, Wilhelmstr. 16, (werden zwei Tage vorher im Sammellager Darmstadt von ihren Kindern getrennt),>Isidor Kahn, Bahnhofstr. 31,>Moritz und Rosa Rosenthal*, Heldenbergerstr. 3 und >Lea Weinberg (Witwe) aus Rendel 30. Sept. Deportation Groß-Kärber Juden vom Sammellager Darmstadt in das Vernichtgslager Treblinka:>Erich + Marga, die Kinder der Familie Hirsch,  Wilhelmstr. 16, und >Franziska Strauss, Wächtergasse 6. Alle werden ermordet. 19. Okt. Juden werden die Fleisch- und Milchmarken entzogen. 1943 Im März Erfolgreicher Widerstand: Demonstration von etwa 6000 Ehefrauen von „Nicht-Ariern“ in der Rosenstraße in Berlin. Sie „erzwingen“ die Freilassung ihrer bereits verhafteten Ehemänner. 19. April Beginn des Aufstands im Warschauer Ghetto, der nach vier Wochen mit der völligen Zerstörung des Ghettos und der Ermordung der Überlebenden endet. 01. Juli Juden werden unter „Polizeirecht“ gestellt und damit total rechtlos. 22. Juli Befreiung des Vernichtungslagers Majdanek. Aug.-Sept. Auflösung der Ghettos in Russland und Polen. Die Verschleppten kommen nach Auschwitz und in die anderen Vernichtungslager. 1944 21. Okt. Beginn der Deportationen der letzten Juden in Deutschland, die bisher wegen ihrer „arischen“ Ehepartner als geschützt galten.(Bella Vogt, Groß-Karben, siehe 15. Februar 1945) 1945 27. Jan. Das Vernichtungslager Auschwitz wird befreit. 15. Feb. >Bella Vogt, Bahnhofstraße 31, wird im Februar 1945 (!) in das Ghetto Theresienstadt deportiert. 15. April Befreiung des KZ Bergen Belsen. 07. Mai Befreiung des Ghettos Theresienstadt. 08. Mai Kapitulation und Befreiung Deutschlands. Juni >Bella Vogt und Rosa Rosenthal kehren aus Theresienstadt zurück.Rosa Rosenthal zieht zu ihrem Sohn in die USA, Bella Vogt bleibt in ihrem Heimatort Groß-Karben.